Freier Waldorfkindergarten Schwetzingen
Kindergartenalltag

Kindergartenalltag

Der tägliche Ablauf im Kindergarten hat seine eigene Ordnung und ist von der Zeiteinteilung her immer ähnlich. Die Kinder entwickeln dadurch ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit in der Zeit und im Raum.
Eine Mitarbeiterin ist morgens schon vor den Kindern da und richtet den Raum. Sie lüftet, stellt die Stühle um die Tische, kocht Tee, richtet den Maltisch und beginnt mit der Frühstückzubereitung.

 

Begrüßung

Zwischen 7.30 und 8.30 werden die Kinder von ihren Eltern gebracht und von der Erzieherin begrüßt. So entsteht ein erster persönlicher Kontakt, der dem Kind hilft, sich zurecht zu finden und der Erzieherin die Möglichkeit gibt, zu erkennen, wie es dem Kind geht. 
Gegen 7.50 Uhr treffen sich alle Erwachsenen und Kinder zur Morgen-Begrüßung. Wir lesen den Wochenspruch aus dem „Seelenkalender“ Rudolf Steiners und singen gemeinsam mit den Kindern ein Lied, das wir der Jahreszeit entsprechend aussuchen. Danach wünschen wir uns einen guten Tag und jede Gruppe beginnt in ihrem Gruppenraum mit dem Tageslauf.

 

Frühstück

Während der ersten kleinen Freispielzeit helfen einige Kinder der Praktikantin im Freiwilligen Sozialen Jahr bei der Zubereitung des Frühstücks. Dazu wird frisches Brot geschnitten, Obst und Rohkost in mundgerechte Stücke zerteilt und kleine Portionen an Butter, Marmelade, Frischkäse und Aufstrich in Gläschen verteilt. Trinkgläser und Karaffen für Wasser und Tee werden gerichtet, Teller und Messer für alle Kinder abgezählt. So kann gegen halb neun am Morgen das Frühstück beginnen. Alle sitzen an schön gedeckten Tischen, eine Kerze wird entzündet, ein Spruch gesprochen, um gemeinsam zu beginnen. Jedes Kind nimmt sich Brot, Butter und nach Geschmack den Belag. Man lernt sich zu entscheiden, den Umgang mit dem Messer und das rücksichtsvolle Einteilen der Zutaten. Das Frühstück wird mit einem gemeinsamen Dank für Speis und Trank beendet. Jeweils zwei Kinder helfen beim Tisch abräumen und Geschirrspülen, alle anderen gehen in die große Freispielzeit.

 

Freispielzeit 

Es beginnt ein kunterbuntes Treiben. Die Kinder bauen sich Häuser, Höhlen oder Schiffe. Dazu nehmen sie Stühle, Bänke, Tische und Tücher, befestigen sie mit Knoten, Bändern oder Klammern. Am Haken an der Decke hängt ein dickes Seil und der Lastenaufzug für Körbe, voll mit Kastanien, Korken oder Sandsäckchen ist ständig in Betrieb. Die Leiter wird gebraucht, um hoch und runter zu klettern und alles überblicken zu können. Im Puppenhaus wird für die Puppenkinder gekocht, es gibt echten Tee und Knäckebrot. Inzwischen brauchen einige Piraten Kopftücher und basteln Augenklappen. Sie knoten Bänder an dicke Stöcke und jagen große „Haifische“. Dazwischen liegen drei von den Jüngsten, mummeln sich in Felle und Decken. Sie stören sich nicht am Trubel um sie herum, sondern schlafen im „Wohnmobil“. In einer großen Kiste liegen vier Kinder ganz eng zusammen, sie versuchen mit vielen Tüchern übereinander, es drinnen so dunkel wie möglich zu haben. Die Erzieherin hilft und unterstützt, regt an oder gibt neue Spielideen – sie ist immer mit wachsamen Sinnen an der Stelle, wo sie gebraucht wird oder das Spiel einen neuen Impuls braucht.

 

Mittagessenszubereitung

Während die einen im Spiel sind, helfen einige andere Kinder bei der Zubereitung des Mittagessens. Da wird täglich Obst und Gemüse geschnitten, es wird Salat gerichtet und jeden Tag gibt es ein anderes Getreidegericht. Die Zutaten kommen aus Demeter oder Bio-Anbau, sind durchweg vegetarisch und werden mit Quark und Käse angereichert. Auch im Speiseplan leben wir im Rhythmus und der Wiederholung.

 

Arbeiten

Es gibt Holzarbeiten an der Werkbank und es kann genäht oder gewebt werden. Jahreszeitliche Bastelarbeiten runden das handwerkliche Angebot ab. Viele Kinder lieben es auch, erst mal ein Bild zu malen, bevor sie sich ins Spiel begeben.

 

Gemeinsames Aufräumen

Mit dem gemeinsamen Aufräumen endet das Freispiel. Alles wird an seinen festgelegten Platz geräumt, Körnchen werden sortiert und die Tücher und Decken sorgsam gefaltet und an ihren Platz im Regal gelegt. Alles hat seinen Platz und seine Ordnung, wodurch die Kinder Sicherheit und Orientierung im Raum erfahren und sich in kurzer Zeit sicher darin bewegen.

Die Tische werden zu einer langen Tafel aufgestellt. Jedes Kind hat seinen festen Sitzplatz am Tisch, so entsteht kein Gerangel um die Plätze und die Kleinsten fühlen sich schnell zugehörig. Während einige Kinder beim Tisch decken helfen, sitzen die anderen schon im Kreis und rollen „Schnecken-bänder“, während jahreszeitliche Lieder gesungen werden. Singen ist ein wichtiges Element im Zusammensein mit Kindern und wird als harmonisierender Anteil im Tagesablauf gepflegt.

Anschließend gehen wir zur Toilette und zum Händewaschen ins Bad und die Wickelkinder bekommen eine frische Windel. Danach bekommt jedes Kind ein „Goldtröpfchen“, etwas Öl in die Hand oder auf die Nase, wobei wieder gesungen wird. 

 

Stuhlkreis

Ist der Tisch ansprechend gedeckt, kommen auch die letzten Kinder herbei und mit einem Lied begrüßen wir uns im Stuhlkreis. Ein Fingerspiel folgt, das wöchentlich wechselt und der Jahreszeit entsprechend ausgesucht wurde. Abschließend sprechen wir zusammen den Spruch „Vom Kopf bis zum Fuß“, den Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik, gegeben hat, um ihn täglich mit Kindern unter sieben Jahren zu sprechen.

 

Reigen

Es folgt nun der Reigen, d. h. Reime, Lieder und Verse zur Jahreszeit, die mit Gesten und Bewegungen begleitet werden. Das Kind, das in der Nachahmung lebt, macht diese Bewegungen einfach freudig mit. 
Dann ziehen wir singend in die Garderobe und ziehen uns für die Gartenzeit an.

 

Freispielzeit im Freien 

Nach dem Essen gehen wir jeden Tag mindestens eine Stunde nach draußen. Die Kleidung ist dem Wetter angepasst, auch bei Regen gehen wir ins Freie, spielen in Gummistiefeln in Matsch und Sand. Manchmal machen wir einen Ausflug in den Schlossgarten oder einen kleinen Spaziergang am Bahndamm entlang, falls es stark regnet.
Auch nach der Draußen-Spielzeit wird wieder aufgeräumt und alles kommt im Gartenhäuschen an seinen Platz: Schaufeln, Schubkarren, Seile und Stelzen etc.

Im Gruppenraum wird in der Zwischenzeit das Mittagessen fertig zubereitet und die Tische dafür gedeckt, eventuell auch Geschirr gespült. Hier helfen wieder zwei bis drei Kinder mit. Durch das Spülen und Abtrocknen erleben die Kinder den Abschluss des Prozesses der Nahrungszubereitung und            -aufnahme. Aufräumen und Saubermachen gehört dazu und ist wichtig für den Neuanfang am nächsten Tag.


Geschichte

Gegen 11.30 Uhr kommen die Kinder vom Garten nach oben, ziehen ihre Hausschuhe an und waschen sich ihre Hände. Dann finden sich alle im bereitgestellten Stuhlkreis ein um wieder zur Ruhe zu finden. Nun hören wir  eine Geschichte oder ein Märchen, der Jahreszeit oder den Jahresfesten angepasst.

 

Mittagessen und Ruhezeit

Anschließend setzen sich alle um den schön gedeckten Tisch und nehmen das Mittagessen ein. Zwei Kinder helfen das Essen auszuteilen. Es gibt „Biene-“ „Riese“- oder „Zwerg“-Portionen, auf Wunsch der Kinder. Wenn die Kerze entzündet ist, sprechen wir ein Tischgebet, wünschen uns einen guten Appetit und lassen es uns schmecken.

Nach dem Essen gibt es wieder einen Toilettengang und um 12.40 Uhr werden die „Zipfelmützenkinder“ abgeholt - das sind die Kinder, die in die Nachmittagsgruppe gehen. Alle anderen holen sich ein Zelt mit Matte und Decke und alle kommen zur Ruhe. Die Erzieherin singt und spielt leise Töne auf einem Instrument. Jedes Kind hat seinen festen Platz, an dem das Zelt aufgestellt wird. Auch die Erzieher legen sich hin und so wird es im ganzen Haus zwischen 12.50 Uhr und 13.30 Uhr still.

 

Abholzeit

Mit dem Wecklied ab 13.30 Uhr beginnt die Abholzeit und der Kindergarten endet um 14.00 Uhr. Zelte, Matratzen und Decken werden aufgeräumt und manchmal, wenn es draußen sonnig ist, springen wir noch ein wenig in den Garten, bis die Eltern kommen.